Backhaus

Aufbau eines Backhauses
Wie auf fast jedem Bauernhof stand unser „Backes“ (Backhaus) im „Bongert“ (Obstgarten). Der ist auf der anderen Seite des Gartens. Weil so ein „Backes“ immer mal abbrannte, sollte es weit genug vom Hof stehen. Das legten die Behörden schon im 18. Jahrhundert fest. Das war auch gut so, denn unser Backhaus brannte in den 1930er Jahren samt einem kleinen Hausanbau tatsächlich ab. Aber weil es ja weit genug wegstand, steht der Tuppenhof zum Glück heute noch.
Das heutige Backhaus haben die Tuppies 2007 aber hier neben den Hühnerstall gebaut. Natürlich feuerfest und sicher.
Was wir im Backhaus gebacken haben?
Nun, vor allem Weißbrot, aber auch „Neujoschbrezele“ und „Neujöhrkes“. „Neujoschbrezele“ sind (Neujahrsbrezeln) und „Neujöhrkes“ sind etwa brötchengroße s-förmige Kringel aus Weißbrotteig. Die haben wir an Neujahr mit guten Wünschen verschenkt.
Schwarzbrot lieferte uns im Tauschhandel der Bäcker. Wir brachten ihm unseren Roggen und er versorgte den Tuppenhof dann mit Schwarzbrot.
Vieles lief bei uns im Tauschgeschäft. Auch der Müller bekam seinen „Molder“ (Mahllohn) oft in Naturalien.
Er fuhr mit seiner Schlagkarre durch die Gemeinde, holte das Getreide ab und brachte das Mehl zurück.
Hafer tauschten wir gegen Haferflocken.
Gerste brachten wir nach Neuss in die Rösterei und bekamen sie geschält als Graupe und als Malzkaffee „Muckefuck“ zurück.
Hier im Dorf gab es sogar mehrere kleine Kraut„fabriken“.
Das waren Familienbetriebe, die gegen geringes Entgelt aus gelieferten Zuckerrüben Kraut herstellten.
Damals war „et Kruut“ der meistverzehrte Brotaufstrich.
Zuckerrübenkraut ist übrigens auch im Rheinischen Schwarzbrot enthalten.
Heute wird das Backhaus auf dem Tuppenhof in der Museumssaison von Mai bis Oktober einmal im Monat genutzt. Die Tuppies backen hier regelmäßig leckeres Landbrot.
 
Bildquelle: Sammlung Zippelius