Brunnen

Der alte Brunnen wurde hier entdeckt.

Der Brunnen war lebenswichtig für uns auf dem Tuppenhof. Er ist sicherlich schon älter als der Hof, den Ihr heute seht.

Die Steine stammen hier ganz aus der Nähe: aus Liedberg.

Liedberger Sandstein wurde schon von den Römern abgebaut und war sehr begehrt. Die hatten hier in der Gegend viele Häuser daraus gebaut. So ein römisches Landgut nannte man „villa rustica“.

Viel später wurden manche dieser Steine auch schon mal für andere Sachen verwendet: Gebäudeteile, Brunnen, Viehtränken, Wegekreuze, Fußfälle und Grabsteine.

Das Münster in Mönchengladbach wurde zum Beispiel komplett aus Liedberger Sandstein erbaut.

Den Sand aus Liedberg verwendeten wir zum Scheuern von Fußböden und Reinigen von Besteck. Rostfreies Besteck gab es ja noch nicht.

Und aus dem ganz feinen Quarzsand wurde Glas hergestellt.

Von wann genau der Brunnen auf dem Tuppenhof ist und ob er etwas mit einer römischen „villa rustica“ hier in der Nähe zu tun hat, kann man nicht genau sagen. Dazu müsste man den Eichenkranz, auf dem unten in über 4 m Tiefe die Brunnenwand aufgesetzt wurde, untersuchen lassen.

Auf dem Tuppenhof brauchten wir ziemlich viel Wasser: Zum Tränken der Tiere, zum Wäschewaschen fr die Familie und das Gesinde, zum Putzen, zum Kochen und fr die Körperpflege.

Ganz früher war das noch reine Handarbeit: Eimer für Eimer wurde hier hochgezogen. Damit es aber für uns einfacher wurde, ließen wir 1908 eine Schwengelpumpe in der Waschküche einbauen. Die war mit dem Brunnenschacht verbunden. So brauchten wir dann „nur noch“ das Wasser hochzupumpen.

Aber es blieb immer noch Handarbeit.

Und wer durfte das machen?

Richtig: Wir Frauen, unsere Magd Elisabeth und ich. Da kamen an einem Schlacht- und Waschtag gerne mal 100 Eimer Wasser zusammen. Und das mussten wir dahin schleppen, wo es gebraucht wurde.

Heute ist der Brunnen trocken.

2020 wurde an anderer Stelle von einem Spezialunternehmen ein neuer Brunnen für die Gartenbewässerung gebohrt.

 
Bildquelle:
Tuppenhof-Archiv, Frank Ahlert