Gute Stube
Zu unserer „Guten Stube“ würdet Ihr vermutlich Wohnzimmer sagen wollen. Aber gewohnt haben wir hier nicht.
Zur Erklärung:
Auf einem Bauernhof ist es nie ganz sauber: Leute kamen mit schmutzigen Schuhen ins Haus, und Hühner, Hunde und Katzen liefen auch noch hier rum. Und wenn in der Scheune gedroschen wurde, zog der feine Staub überall hin.
Aber unsere „Gute Stube“ hier war immer sauber. Wir haben sie ausschließlich zum Repräsentieren genutzt – also eher selten.
Hier wurden wichtige Leute empfangen, zum Beispiel der Pfarrer, der Lehrer oder der Bürgermeister.
Deshalb war es in der „Guten Stube“ immer aufgeräumt. Wir benutzten hier unser bestes Geschirr aus Zinn und Porzellan. Das Besteck war aus echtem Silber. Die besten Möbel standen hier: ein vornehmer Tisch und passende Stühle.
Natürlich lag eine Spitzendecke auf dem Tisch.
Der Schrank aus dunklem Holz ist verziert mit schönen Schnitzereien. Gerahmte Bilder, feine Handarbeiten und Erinnerungsstücke aus der Familiengeschichte schmückten Wände und Ablageflächen.
Sogar einen Ofen hatten wir hier stehen. Wenn uns aber jemand besuchte, ohne sich vorher anzumelden, konnte der Raum nicht mehr rechtzeitig beheizt werden. Heizmaterial wie Holz oder Kohlen waren sehr kostbar, und so blieb der Raum die meiste Zeit ungeheizt. Deshalb wurde „Gute Stube“ auch „Kalte Pracht“ genannt.
Unsere Kinder Gertrud, Peter und Theo durften hier alleine niemals hinein. Ausnahmen waren Ostern, Weihnachten, runde Geburtstage, unsere Silberhochzeit oder die Erstkommunion der Kinder.
Die „Gute Stube“ auf dem Tuppenhof besitzt eine sogenannte „Kölner Decke“: Die aufwändig verputzten Deckenbalken wurden an den Stellen, wo sie an die Wand stoßen, durch eine entsprechende Putztechnik abgerundet.
Im 18. Jahrhundert ist dieser Raum erweitert worden. Zur Gartenseite hat er dadurch fast einen Meter an Raumtiefe gewonnen. Früher ist die ganze Rückseite des Tuppenhofs wohl als Stall genutzt worden. In Wand und Boden finden sich noch Überreste der alten Außenwände. Heinrichs Urgroßvater Matthias Klitzen war Steuereintreiber und Förster – und konnte sich diese Ausgabe leisten. So wurde dann nach dem Umbau die „Gute Stube“ daraus.
Ist Ihnen übrigens die besondere Tür zu unserer „Guten Stube“ aufgefallen? Die handgefertigten Scheiben deuten schon an, dass man einen besonderen Raum betritt…
Bildquelle: Frank Ahlert