Knechtkammer

Blick in den Kuhstall

Hier, direkt am Kuhstall, liegt die Knechtekammer. Hier schlief unser Knecht, der Toni.

Auf größeren Höfen nannte man den wichtigsten Knecht „Schweizer “ – das ist der Spezialist auf einem Bauernhof, der sich ausschließlich um die Kühe kümmerte. Der Name „Schweizer” kommt daher, weil ursprünglich diese Männer tatsächlich aus der Schweiz oder dem Allgäu kamen.

Aber unser Toni war ein einfacher Knecht. Trotzdem: Er war ein Spezialist auf seinem Gebiet. Und er hatte sein Zimmer genau hier. Am Stall. Warum, erkläre ich Euch gleich.

Auf dem Tuppenhof gab es immer viel zu tun.

Wir mussten das Vieh versorgen, die Kühe melken, das Feld pflügen. Säen. Ernten – und das Getreide dreschen…

Es wurde gekocht und gewaschen, im Garten wurde gearbeitet. Vorräte wurden angelegt. Und, und, und ...

Meine Frau Sofia und ich, wir konnten das alles nicht alleine schaffen.

Wir brauchten also fleißige Hände. Auf dem Feld. Und im Haushalt.

Deswegen arbeiteten hier auch unsere Magd Elisabeth und unser Knecht Toni.

Es gab viel Arbeit – aber wenig Geld. Kost und Logis waren selbstverständlich frei. Und zum Schützenfest bekam unser Gesinde schonmal was Extra-Geld.

Elisabeth bekam von uns Flachs und Leinen für ihre Aussteuer – und Toni bekam schon mal Schuhe oder Kleidungsstücke.

Die beiden waren zwar unsere Arbeitskräfte, aber sie gehörten fast mit zur Familie. Sie wohnten ja hier bei uns. Und wir feierten auch mit denen gemeinsam.

Gegessen wurde mit allen an einem Tisch.

Aber, damit das auch klar ist: Das Sagen hatte immer ich. Ich war der Bauer.

Und wer das nicht einsehen wollte, konnte seine Koffertruhe gleich wieder packen, und zum nächsten Hof weiterziehen. Und dort sein Glück versuchen.

Unser Knecht Toni war für das Rindvieh und für die Pferde verantwortlich. Das galt auch, natürlich, während der Feldarbeit.

Hier, von der Knechtekammer aus, konnte Toni nachts unser Vieh beaufsichtigen. Das war ja nebenan im Kuhstall. Und Toni hatte auch ein richtig gutes Gespür dafür, wenn da irgendwas nicht stimmte.

Seht Ihr da die Tür zum Kuhstall? Sie ist zweigeteilt. Man kann sie oben und unten aufmachen. Durch die obere Hälfte konnte Toni schon vom Bett aus sehen, ob bei unseren Tieren alles in Ordnung war. Die untere Hälfte der Tür war nachts natürlich zu. Denn wenn der Toni eins nicht wollte, dann daß er morgens aufwacht und hat eine Kuh am Bett.

Naja, und seine Kammer wurde durch die Stallwärme einfach mitgeheizt.

Ein warmes Haus war ja nicht so selbstverständlich wie heute.

Gab ja noch keine Zentralheizung.

Und die einzige Feuerstelle auf dem Tuppenhof war in der Küche.