Küche

Hier wurde ein Zahn zugelegt..

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in einer Küche hält man sich einfach gerne auf. Auch bei uns auf dem Tuppenhof ist das so. Hier wurde gekocht, gearbeitet, gegessen, erzählt und ausgeruht.

Als das Wohnhaus 1705/1709 gebaut wurde, befand sich hier zunächst ein offenes Herdfeuer samt Kamin. Diese Feuerstelle war lange Zeit die einzige Energiequelle im ganzen Haus und spendete Licht und Wärme. Vor allem im Winter, wenn die Feldarbeit ruhte, versammelten sich die Hausbewohner in der Nähe des offenen Feuers, erzählten und verrichteten kleine Arbeiten.

An das ehemals offene Herdfeuer erinnert noch der „Hael“ rechts neben dem Herd. An ihm wurden die Töpfe aufgehängt, und durch dessen verstellbare Länge wurde die Kochtemperatur reguliert. Hier wurde auch schonmal „ein Zahn zugelegt“. – Daher der Begriff.

Links neben dem Kamin befindet sich eine Nische im Gemäuer. Dort wurden Lebensmittel aufbewahrt, die unbedingt trocken gehalten werden mussten, beispielsweise Salz.

Aber schon unsere Vorfahren nutzten große Herde aus Eisen, die wurden „Kochmaschinen“ genannt. Der Rauch ging jetzt direkt in den Kamin.

Dieser Herd hier ist in ein Steinfundament eingemauert worden und bildet einen Kompromiss zwischen dem offenen Herdfeuer, wie es vermutlich noch im 17. Jahrhundert bestanden hat, und moderneren Herden des 20. Jahrhunderts. Die Kochtemperatur wurde durch die unterschiedliche Ringe-Öffnung der „Kochplatten“ erreicht.

Aber auf unserem Herd haben wir nicht nur gekocht: Im Spätsommer und Herbst brodelten Töpfe mit den Einkochgläsern, in denen wir das, was wir im eigenen Garten angebaut hatten, fr den Winter haltbar machten. Über oder neben dem Herd trocknete auf einem kleinen Holzgestell fast immer einige Wäsche. Der Herd lieferte uns warmes Wasser zum Baden oder Rasieren. Er erleichterte mir und meiner Magd Elisabeth sogar die Hausarbeit: Wir erhitzten hier die Bolzen fr das Bgeleisen. Und wir hatten spezielle Kaffeeröster und Waffeleisen, die wir in die Ofenplatten eingesetzt haben.

Im Sommer stand die Tr offen und ließ Besucher – und manchmal auch die Tiere des Hofes – herein. So richtig sauber war es nie.

Was es so zu essen gab?

In der Regel aßen wir morgens Mehlmilchsuppe mit Brot, Butter und Käse, der Knecht Toni bekam gegen zehn Uhr einen Schnaps, die Magd Elisabeth ein Butterbrot, mittags gab es Suppe, Gemse und Schweinefleisch, zur Erntezeit gab es nachmittags Milch mit Butterbrot und abends Suppe und Kartoffeln mit Butterbrot. Wir aßen meist viermal wöchentlich Fleisch. Aber freitags haben wir das Fleisch durch Mehlspeisen ersetzt.

Suppenhuhn und Gänsebraten standen manchmal auf dem Speisezettel, Rinderbraten gab es nur zu Feiertagen.

Zum Kochen und Braten wurde ausschließlich Schweineschmalz benutzt.

Wir machten Blutwurst, Leberwurst und Bratwurst selber.

Wir machten auch selber „Panhas“- eine niederrheinische Spezialität. Panhas wurde in der Pfanne beidseitig angebraten – ein Genuss!

Man könnte sagen, dass der Herdraum der Mittelpunkt für unser Leben auf dem Tuppenhof war.     

Bildquelle: Britta Spies, Frank Ahlert
Panhas-Topf wird von Kindern gerne ausgeschabt

 

Bildquelle: Heinz Toeller