Scheune
Unsere Scheune wurde so um 1714 erbaut. Es gab dann insgesamt vier Ausbaustufen. Die erste und zweite Erweiterung, nach Norden und nach Süden hin, fanden vermutlich zwischen 1771 (nach Norden) und 1776 (nach Süden) statt. Darauf deuten die Inschriften hin, die Ihr in den beiden Leitern im Einfahrtsbereich sehen könnt: Da steht „M 1771 K“ und „M 1776 K“.
Erst mit der vierten Erweiterung wurde die heutige Steinmauer nach Süden, Westen und Norden gebaut.
Die Eichenbalken, die Ihr sehen könnt, sind zum größten Teil fast 300 Jahre alt.
Bis 1860 lief mitten durch unsere Scheune ein öffentlicher Weg von Ost nach West. Auf der gegenüberliegenden Seite, da wo jetzt der Museumsladen ist, war früher unser Torhaus. Hier lief tatsächlich dieser öffentliche Weg durch – mitten über unseren Hof.
Im Frühsommer stand erstmal die Heuernte an. Wir haben das Heu mit der Sense gemäht und auf dem Feld getrocknet. Dann haben wir es oben in der Scheune gestaut / gelagert. Wir brauchten es als Futter für das Vieh.
Im Juli und August haben wir dann Gerste, Roggen, Weizen und Hafer geerntet. Wir hatten zum Glück schon den Selbstbinder im Einsatz. Das Mähen und das Binden zu Garben wurde dadurch sehr vereinfacht. Aber bis wir den Selbstbinder hatten, wurde alles von Hand gemäht.
Zur Erntezeit waren alle auf den Beinen, weil das alles ja sehr schnell gehen musste. Und im Dorf waren immer Fuhrwerke unterwegs. Während der gesamten Erntezeit. Wir hatten diese zweirädrigen Schlag-Karren. Zur Erntezeit haben wir die kurzerhand umgebaut. Vorn und hinten standen dann lange Leitern über. So passte viel mehr auf die Karren als normal. Manchmal sah man kaum noch das Tier, das den Karren zog. Was für ein Bild!
Wir haben meist mit 3 Fuhrwerken gearbeitet: Eine Karre wurde auf dem Feld beladen, eine war auf den Feldwegen unterwegs und eine dritte wurde auf der Tenne entladen.
Die Tenne war in der Mitte der Scheune. Hier haben wir das ungedroschene Getreide erstmal so eingelagert. Dann ging es ans Dreschen. Das zog sich früher fast über den ganzen Winter hin. Von Hand – mit Dreschflegeln. Eine elende Plackerei ist das gewesen. Meine Herren! Aber wir hatten zum Glück bereits eine Dreschmaschine. Die wurde über einen Motor angetrieben. Das Dreschen ging zwar damit viel schneller, aber der feine Staub verteilte sich überall hin – sogar bis ins Haus. Meine Frau Sofia hat sich jedes Mal darüber aufgeregt. Aber was willste machen !?
Nach dem Dreschen haben wir das Stroh dann in unserer Scheune eingelagert. Und wenn dann die Getreide-Ernte endlich eingebracht war, haben wir den letzten Erntewagen immer mit einem Birkenzweig geschmückt. Und dann wurde erstmal mit allen Erntehelfern angestoßen. Ein frisches Bier aus der Gaststätte! Herrlich ! … Oder zwei.
Zum Dreschen des Getreides blieb nach der Ernte aber kaum Zeit. Im September begann ja bereits die Kartoffelernte. Und die zog sich bis in den Oktober.
Heute dient die Scheune auf dem Tuppenhof als Ausstellungsraum. Mit viel Platz - für Veranstaltungen, für Lesungen oder Konzerte.
Bildquelle: Frank Ahlert