Das wandernde Torhaus

Das Torhaus stand früher im Osten.

Das Torhaus ist der Haupteingang zu unserem Bauernhof. Durch die kleinere Tür gingen wir ein und aus. Durch das große Holztor mit den zwei Flügeln rollten die beladenen Fuhrwerke auf den Tuppenhof –vor allem zur Erntezeit. Durch das Torhaus kam man nach der anstrengenden Feldarbeit wieder zurück. Oder man ging schon mal in eine Gaststätte im Ort. Wir gingen hier hindurch zum Gottesdienst und zur Schule. Aber auch unser letzter Weg führte wieder durch das Torhaus…

1860 wurde das Torhaus neu aufgebaut. Daran erinnert auch die Inschrift in einem Ständer des Torhauses: “Heinrich Schmitz und Maria Gertrud Brockers” waren also die Bauherren.
Wenn Ihr reinkommt, seht Ihr rechts im Torhaus, an der Wand mit dem Fenster, die verschiedenen Bauphasen oder Gestaltungsmöglichkeiten für Fachwerk. Aus Fachwerk besteht der Tuppenhof nämlich zu großen Teilen. Wie Fachwerk funktioniert?
Nun: Innerhalb der Balkenkonstruktion aus Eichenholz wurde Weidengeflecht um senkrechte Stäbe (sogenannte Staken) geWUNDEN. Von dem Wort „winden“ kommt übrigens der Begriff „Wand“, während die Mauer (lat. murus) aus Steinen besteht.
Eine grobe abdichtende Lehmschicht gab der Wand weitere Stabilität. Diese Füllung wurde dann oft mit einer abschließenden Schicht noch etwas feiner verputzt und manchmal sogar mit Indigo blau gefärbt.
Auf der gegenüberliegenden oberen Fachwerkwand könnt Ihr noch kleine Reste von indigoblauer Farbe auf dem Putz erkennen. Eine echte Kostbarkeit!

Schaut bitte mal nach oben:
Unter den Dachziegeln seht Ihr sogenannte „Strohpuppen“. Die wurden aus Roggenstroh gemacht. Sie hielten Flugschnee und Schlagregen unter den Ziegeln ab. Das Dach wurde dadurch dichter und bei starkem Wind klapperten die Dachziegel auch nicht so sehr.

 

Bildquelle: Hauptstadtarchiv, Katasterkarte 1807