Upkammer
SOFIA:
Upkammer bedeutet eigentlich einfach nur „erhöht liegendes Zimmer“. Auf dem Tuppenhof ist hier unser Schlafzimmer. Das Zimmer war erhöht gebaut worden, weil darunter der Keller nicht ganz so tief ausgeschachtet wurde. Und warum wurde für den Keller nicht so tief gegraben? Weil der Grundwasserspiegel hier in Vorst damals schon hoch war.
HEINRICH:
Von der Upkammer aus hatten wir die Kontrolle. Zum Beispiel über unseren Vorratskeller. Denn der liegt direkt hier unter uns. Und wenn da unten nachts jemand an unsere eingemachten Lebensmittel ging, bekamen wir das natürlich mit. Und: Das waren nicht nur Nagetiere…
SOFIA:
Aber auch das „Luurrämken“ in der Wand rechts neben dem Bett war ganz praktisch. Durch diesen Holzschieber konnte man ins Nachbarzimmer schauen. Dort war früher mal der Stall. Da macht das auch Sinn. Als der Raum später zur „Guten Stube“ umgebaut wurde, konnten wir manchmal unsere Kinder erwischen. Die durften dort nämlich nicht alleine rein.
HEINRICH:
Übrigens: Diese Himmelbett stammt von meinem Urgroßvater Matthias Klitzen. Auf der hölzernen Bettrückwand könnt Ihr seine Initialien lesen: M für Matthias, K für Klitzen. Und das Jahr: 1759.
Das Bett ist leider nicht mehr komplett: Die obere Abdeckung fehlt. Und die seitlichen Vorhänge leider auch.
Innerhalb dieser Vorhänge blieb in kalten Nächten unsere Körperwärme erhalten innerhalb dieser Vorhänge – und ein Mückenschutz war das auch.
Das Bett wird übrigens ohne Schrauben oder Leim zusammengehalten. Nur durch Holznägel und Zapfen. So konnte man dieses Bett ohne Probleme abbauen und wieder aufbauen.
SOFIA:
Nochmal zum Thema „Wärme“: Es gab damals keine Zentralheizung, wie Ihr sie habt. Die einzige Wärmequelle des Hauses war in unserer Küche. Der Kamin strahlte schon einiges an Wärme in unser Schlafzimmer ab.
Aber wenn wir es nachts richtig warm haben wollten, nutzen wir den alten metallenen Hinterladerofen. Davon ist heute nur noch eine viereckige Öffnung in der Wand zur Küche zu sehen. Von der Küche aus wurden glühende Kohlen in den Ofen geschoben. Der Rauch zog im Kamin ab.
Aber viel einfacher wurde unser Bett mit den Wärmflaschen aus Metall gewärmt. Die wurden nur mit heißem Wasser gefüllt.
HEINRICH:
Aber meine liebste Wärmequelle lag direkt neben mir…
SOFIA:
Heinrich! Also wirklich!
Aber Recht hat er ja. Aber nur, wenn er auch gewaschen war.
Das machten wir meist an unserer Waschschüssel da am Fenster. Kaltes Wasser, Kernseife… das war alles.
Und dann sprachen wir unser Abendgebet.
Wir hatten unser Kruzifix in der Bettrückwand. Praktisch, oder?
HEINRICH:
Was soll ich da sagen? Erst die Arbeit – dann das Vergnügen.
SOFIA:
Also wirklich! Heinrich!
Das jüngste Kind lag mit in unserem Schlafzimmer in der hölzernen Kinderwiege.
Die größeren Kinder waren in anderen Zimmern untergebracht. Wo grad Platz war.
Nur Heinrich und ich hatten also ein eigenes Zimmer – unsere Upkammer. Sie war als einziges Zimmer außer der Küche beheizbar. Und wir hatten hier nicht nur unsere Vorräte im Keller unter Kontrolle.
Geld und Wertgegenstände deponierten wir nachts nämlich auf dem Brett über dem Kopfende unseres Bettes. Das war die sogenannte „Hohe Kante“.
Dass der Begriff hier seinen Ursprung hat, hättet Ihr nicht vermutet, was?