Waschküche

Eine Zinkwanne für die ganze Familie

Ganz in der Nähe des Brunnens im Garten haben wir unsere Waschküche – auch „Spud“ genannt. Hier haben wir Wäsche gewaschen und samstags auch gebadet. Bevor 1908 unsere Schwengelpumpe installiert wurde, mussten wir Frauen das Wasser mühsam mit Eimern draußen vor der Tür zum Garten aus dem Brunnen hochholen. Bis ins 20. Jahrhundert gab es Wasser nämlich nicht in, sondern nur vor den Häusern.

Das Wasserholen gehörte zur täglichen Hausarbeit dazu. Wenn geschlachtet oder gewaschen wurde, aber auch beim wöchentlichen Putzen und Baden waren das schon mal 100 Eimer Wasser.

Sehr Ihr da neben der Pumpe das Steinbecken mit dem Ausguss?
Hier haben wir gespült. Und hier konnten wir uns auch waschen.

Das Wasser wurde auf solch einem Ofen erhitzt, der da in der Ecke steht. Jahrhundertelang wurde die Wäsche mit dem Waschbrett in einer Wanne mit Wasser, Soda und Kernseife einzeln und mit viel Aufwand gewaschen. Es wurde auch ein sogenannter „Luftstampfer“ zum Stampfen der Wäsche und Schäumen des Waschwassers verwendet. Sauber wurde es zwar immer, aber es war viel anstrengender als heute. Später bekamen wir Frauen Hilfe zum Beispiel durch eine halbautomatische MIELE-Waschmaschine; das ist der große Holzbottich mit Deckel und den Presswalzen.

Jeden Samstag wurde gebadet. Dazu verhängten wir das Fenster und stellten die große Zinkwanne auf, in der nacheinander die ganze Familie badete. Zuerst Heinrich, dann die ich und zum Schluss unsere Kinder Peter, Theo und Gertrud – sie Jüngsten zum Schluss – in ein und dem selben Wasser.

Es gab vor 100 Jahren natürlich kein extra Badezimmer. Keine Dusche. Keine Toilette mit Wasserspülung. Noch nicht mal einen Wasserhahn.

 
Bildquelle: Frank Ahlert