Knechtkammer
Psst, leise! Hier dürfen wir eigentlich gar nicht rein. Hier schläft nämlich Toni. Das ist unser Knecht. Der hilft uns auf dem Hof.
Er kümmert sich vor allem um die Tiere, also die Kühe und Pferde. Da gibt es immer was zu tun! Die brauchen morgens und abends Futter und Wasser. Die Kühe muss man melken. Und es muss im Stall auch immer sauber sein. Also muss man den Mist aus dem Stall rausmachen und neues Stroh reintun. Der Mist kommt dann auf den großen Misthaufen vor dem Hof.
Die Kühe stehen direkt hinter der Tür. Im Winter lässt Toni die obere Hälfte von der Tür einfach aufstehen. Dann zieht die Wärme vom Kuhstall in sein Schlafzimmer. Denn es gibt dort ja keine Heizung. Aber so eine Kuh ersetzt glatt einen Ofen! Wenn mir im Winter kalt ist, gehe ich immer in den Kuhstall und besuche Liese, meine Lieblingskuh.
Mein Vater sagt, nächstes Jahr kommt Toni nicht mehr. Dann müssen meine Brüder Peter und Theo die Arbeit mitmachen. Mein Vater sagt, die beiden sind alt genug, da können wir uns das Geld für den Knecht sparen.
Peter ist jetzt auf der Landwirtschaftsschule. So ein schwieriges Wort! Da lernt er alles, was man als Bauer wissen muss. Denn er soll später mal den Tuppenhof übernehmen.
Er bekommt den Hof, weil er der älteste von uns Geschwistern ist. Und weil er ein Mann ist! Ich habe meine Mutter gefragt, ob ich nicht den Hof übernehmen kann. Die Kühe mögen mich viel lieber als Peter! Aber sie sagt, das geht nicht. Weil ich ein Mädchen bin! Sie sagt, wenn ich Bäuerin werden will, muss ich einen Bauern heiraten. Das ist doof, findest du nicht?
Aber vielleicht ändert sich das irgendwann mal!
Bildquelle: Klaus Stevens, Frank Ahlert